Handschmerzen: Karpaltunnelsyndrom



Was ist ein Karpaltunnelsyndrom? 

Das Karpaltunnelsyndrom ist eine Einengung des Nervus medianus (Mittelnerv) am handflächen seitigen Handgelenk. Es entsteht dadurch, dass es zu einer Verminderung des Umfanges im Karpalkanal kommt, dadurch wird der Nerv eingeengt und es kommt zu Symptomen oder Beschwerden. Der Boden dieses Kanals wird durch Handwurzelknochen gebildet, das “Dach” durch das Karpalband. Innerhalb des Kanals verläuft der Nerv gemeinsam mit den Beugesehnen für die Finger und den Daumen. 


Woher bekommt man ein Karpaltunnelsyndrom?

Die Ursachen für ein Karpaltunnelsyndrom können sehr vielseitig sein:


  • Verdickungen der Sehnengleitlager: kann durch Erkrankungen wie Diabetes, Rheumatoide Arthritis, Gicht, Schilddrüsenüber- oder Schilddrüsenunterfunktion bedingt sein

  • Ungesunder Lebensstil: Übergewicht, übermäßiger Alkoholkonsum, übermäßige Belastungssteigerungen (oft bei Schreibtischarbeit/Reinigungskräften/Handwerkern) 

  • Verletzungen z.B. der Knochen: Unterarmbruch (Radiusfraktur), Handwurzelknochenbrüche; innere Blutungen nach Verletzungen

  • Hormonelle Veränderungen (Frauen häufiger betroffen) und die persönliche Konstitution und ggf. eine genetische Veranlagung (Familiäre Häufung?).

  • Auch Neubildungen wie Lipome, Osteophyten oder sehr seltene Tumore können ein Karpaltunnelsyndrom auslösen. 

Die Ursachen sind also vielschichtig und meistens ist eine Kombination von verschiedenen Faktoren ursächlich.

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Wie wird ein Karpaltunnelsyndrom behandelt? 

Leitlinien (1) empfehlen, dass zuerst ohne Operation eine Linderung versucht wird. Dazu zählen Physiotherapie mit Übungen, diverse Hausmittel und auch Medikamente - reicht dies nicht aus, um beschwerdefrei zu werden, dann wird eine Operation empfohlen. 


Zu Beginn kann versucht werden durch einfache Hausmittel wie sanfte Wickelbandagen mit Topfen, Beinwell-Salbe, oder nicht-steroidalen Antirheumatika (Entzündungshemmende Salben) eine Linderung zu erreichen. Auch kalte Arm-Güsse durch fließendes, kaltes Wasser entlang des betroffenen Armes können Linderung bringen. Cortison-Spritzen können kurzfristige Schmerzlinderung bringen, gefährden jedoch die Sehnen, da es hier in Studien (2) wiederholt zu Sehnenrissen gekommen ist. 


Durch Physiotherapie kannst du Übungen erlernen, die schmerzlindernd sind. Sinnvolle Übungen können zum Beispiel die Eigenmassage, sanfte Mobilisationen, sogenannte Neuromobilisationen oder allgemeines aerobes Ausdauertraining sein. Wichtig ist, dass die Übungsauswahl einem Stufenmodell folgt, dass Übungen von einfach nach schwierig sortiert, damit du ein gutes Fundament aufbauen kannst, um schmerzfrei zu werden. HIER findest du weitere Tipps, sowie Übungen und Übungsblätter zum Karpaltunnelsyndrom.

Durch spezielle Handgriffe (Manuelle Therapie) kann ein geübter Physiotherapeut zusätzlich Schmerzen lindern und die Beweglichkeit verbessern. 


Sollten sehr beeinträchtigende Schmerzen oder neurologische Ausfälle (Lähmungen, Gefühlsstörungen) bestehen, die zunehmend schlechter werden, kann eine Operation helfen. Mehr dazu im morgigen Artikel.


Referenz:


  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2934608/

  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2938636/


Wann muss ein Karpaltunnelsyndrom operiert werden?

Acht Prozent der Bevölkerung entwickeln ein Karpaltunnelsyndrom irgendwann in ihrem Leben. Frauen und allgemein Menschen über 30 Jahre bekommen die typischen Symptome mit eingeschlafenen Daumen, Zeige- und Mittelfinger häufiger.(1) Ob eine Operation wirklich notwendig ist, lässt sich vom Schweregrad der Symptome einschätzen:

Mild: Zeitweilige Symptome (Kribbeln oder Taubheit von Daumen bis Mitte Ringfinger) 

Mäßig: Konstante Symptome; Bei Verdacht auf ein mäßiges Karpaltunnelsyndrom, kann der Spezialist (Handchirurg, Orthopäde/Neurologe, Physio- oder Ergotherapeut)  spezielle Tests zur Einschätzung durchführen

Schwer: Der Daumenballen erscheint kleiner im Seitenvergleich (Thenar-Muskelatrophie); Zusätzlich zur Fingertaubheit treten Schwäche und Kraftverlust auf. Bei Verdacht auf ein schweres Karpaltunnelsyndrom sind weitere Tests durch den Spezialisten (Handchirurg, Orthopäden/Neurologen, Physio- & Ergotherapeuten sind darin ausgebildet) notwendig.

Durch ein gemeinsames Gespräch über deine Ziele als Patient, sowie die klinischen Tests eines Spezialisten kann sehr gut eingeschätzt werden, ob eine Operation oder eine konservative Behandlung zum besseren Ergebnis führen wird. Tendenziell kann gesagt werden, dass Menschen mit einem schweren Verlauf von der Operation profitieren werden.


Somit bestimmen folgende Faktoren wann eine Karpaldachspaltung (Operation) in Betracht gezogen werden sollte: 


  • subjektive Beschwerden (Art, Dauer)

  • handchirurgische Untersuchung

  • neurophysiologische Untersuchung

  • eventuell neurosonographische Untersuchung

  • Erfolg/Ausschöpfung möglicher konservativer (nicht-operativer) Maßnahmen. 


“ In etwa 30-60% der Fälle kann sich das Karpaltunnelsyndrom mit Geduld und konservativer Therapie (ohne Operation) zurückbilden. “ 


Referenz:

  1. JOSPT (2019) Carpal Tunnel Syndrome: A Summary of Clinical Practice Guideline Recommendations


Karpaltunnelsyndrom, was tun? (Übungen, Hilfsmittel, Schiene) 

Das typische Beschwerdebild beim Karpaltunnelsyndrom sind sogenannte “Parästhesien”. Dabei geben Betroffene ein Kribbeln oder Einschlafen des Daumen und/oder des Zeige- und Mittelfingers an. Sehr typisch tritt dies nachts auf und nach dem Ausschütteln der Hand kommt es meist zu einer Besserung. 


Was kann man gegen ein Karpaltunnelsyndrom tun? 


Übungen können eine Verbesserung schaffen: Hier geht’s zum Übungsvideo. 


Ein Physiotherapeut kann bei einem milden oder mäßigen Verlauf des Karpaltunnelsyndroms Linderung durch spezielle Handgriffe (manuelle Therapie) im Verlauf des mittleren Handnerves (N.medianus) schaffen. Sanfte und angenehme Behandlungen des Nackens, sowie von verspannten Muskeln im Bereich des betroffenen Armes schaffen über einen Zeitraum von wenigen Terminen oft Verbesserungen. 


Eine Orthese, die nachts zur Entlastung getragen wird, kann helfen. Wenn die Verwendung nachts unwirksam ist, sollte sie tagsüber bei milden bis mäßigen Karpaltunnelsyndromen getragen werden. Wenn keine Linderung vorliegt, sollte eine Änderung der Position im Handgelenk versucht werden. Wenn deine Symptome bei einem Faustschluss innerhalb von 30sek deutlich schlechter werden, dann solltest du unbedingt die Nachtschiene für sechs Wochen ausprobieren. Empfohlen auch während der Schwangerschaft. (1) 


Beim Büro-Arbeitsplatz kann der Wechsel auf eine Tastatur mit verringerter Tastendruckstärke, sowie der Wechsel auf eine Vertikal-Maus Sinn machen (Die Studienlage hierzu ist gering). 


Wärme kann zum Beispiel durch Auflegen von warmen Umschlägen oder einer Wärmepackung kurzfristige Linderung bringen. 


Elektrotherapie bei einem Physiotherapeuten oder durch ein eigens erworbenes Gerät für Zuhause, kann ebenfalls kurzfristige Linderung bringen. 

Durch Studien nicht empfohlen: Lasertherapie oder Lichttherapie; Therapeutischer Ultraschall; Iontophorese-Anwendungen (2) 



Referenz:

  1. Lewis et al. (2020) Group education, night splinting and home exercises reduce conversion to surgery for carpal tunnel syndrome.

  2.  JOSPT (2019) Carpal Tunnel Syndrome: A Summary of Clinical Practice Guideline Recommendations

Ist ein Karpaltunnelsyndrom gefährlich?

Das Karpaltunnelsyndorm ist eine Einengung des Nervus medianus (Mittelnerv) im Bereich des Handgelenks. Durch diese Enge kommt es auch zu einer Verminderung der Blutzirkulation des Nerven bzw. der nervenversorgenden kleinsten Gefäße. Über längere Dauer wird der Nerv so nachhaltig geschädigt und es kann zu einer kompletten Lähmung und Gefühlsstörung des Daumens, Zeige- und Mittelfingers kommen. Sollten die Beschwerden und somit die Einengung also über ein sehr lange Zeit bestehen, kommt es zu einem unwiderruflichen Schaden des Mittelnervs. Diese Zeitspanne ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab, die ein erfahrener Spezialist (Handchirurg, Handtherapeut, Neurologe, Orthopäde, Physiotherapeut, Ergotherapeut) einschätzen kann. 


Eine Studie zum natürlichen Verlauf des Karpaltunnelsyndroms fand heraus, dass es bei etwa einem Viertel aller Patienten zur spontanen Heilung im Lauf von etwa einem Jahr kam. Ein weiteres Viertel hatte eine Verschlechterung und bei etwa der Hälfte der Studienteilnehmer kam es im Lauf von einem Jahr zu keiner merklichen Veränderung der Beschwerden. Menschen mit beidseitigen Symptomen hatten eine schlechtere Prognose. 


Referenz: 

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2871765/



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